Wildbunte Faschingsbräuche im Süden Südtirols
Das Verkleiden, Konfetti werfen, Jubeln und Johlen, das Alles-mal-nicht-so-ernst-Nehmen – all das hat die Faschingskultur im deutschsprachigen Raum gemeinsam. Doch von Land zu Land gibt es feine, oft lustige Unterschiede. Die leckeren „Berliner“ werden in Südtirol zu (Faschings-)Krapfen. Der Karneval oder Fasching heißt im Süden Südtirols sowieso „Maschgraaaa!!“ (mit vielen, vielen Ausrufezeichen), und die Umzüge sind – ja, vielleicht etwas brachialer, urtümlicher, bäuerlicher. So mancher Umzug hat im Laufe der Jahre sogar Kultstatus erlangt!
Umzug im Urlaub: Von wegen Karneval!
Während die Weinreben rund um Kaltern, Eppan und Tramin sich noch kahl nach der Wintersonne recken, zeigen die Dörfer sich von ihrer wildbunten Seite: Im Süden Südtirols bedeutet die Faschingszeit weit mehr als nur Kostümparaden – sie ist ein lebendiges Stück Kultur, ein augenzwinkernder Blick auf die Obrigkeit und ein ausgelassenes Fest, das in vielen Dörfern stolz gefeiert wird und sich mancherorts mit vielen Programmpunkten und Brauchtümern gar über Wochen erstreckt. Schließlich beginnt die Narrenzeit ja schon am 11.11. um 11.11 Uhr. 😉
Tramin: Der Egetmann zieht durchs Dorf – nichts für schwache Nerven!
Der Egetmann-Umzug ist einer der bekanntesten und traditionsreichsten Faschingsbräuche Südtirols. Alle zwei Jahre (nur an ungeraden Jahren!), am Unsinnigen Donnerstag, zieht die Egetmann-Hochzeitsgesellschaft durch das Weindorf Tramin: eine farbenprächtige, bewusst derbe und humorvolle Prozession, bei der traditionell ausschließlich Männer in aufwendig gestalteten Kostümen auftreten und auf wild schwankenden Wägen durch die Gassen ziehen.
Der Bräutigam, der Egetmann, wird begleitet von grotesken Figuren, Musikanten und satirischen Darstellungen des (einstigen) Dorflebens. Mit Lärm, Wortwitz und Anspielungen auf aktuelle Ereignisse wird Tramin für einen Tag zur Bühne des närrischen Ausnahmezustands. Laut, frech, traditionsbewusst und tief verwurzelt in der Dorfidentität – und immer mit direkter Einbeziehung des Publikums. 😆 Hier kommt niemand ungeschoren davon!
Eppan & Kaltern: Eine bunte Dorfgemeinschaft - offen und heiter
Der Fasching in Kaltern und Eppan lebt von bunten kleinen Maskenbällen, lokalen Feiern, Theaterstücken und einem großen Umzug durchs Dorf. Vereine und Freundesgruppen nehmen dabei mit viel Humor lokale Themen und das Dorfgeschehen aufs Korn. Begleitet von Musik, Faschingskrapfen und ausgelassener Stimmung verlagert sich das närrische Treiben nach dem Umzug in Gasthäuser und Keller. Weniger ritualisiert, dafür umso geselliger, offen und heiter – so zeigt sich der Fasching hier als Fest für alle Generationen.
Salurn: Der südlichste Faschingsbrauch Südtirols - Maschgra all’italiana
Perkeo, der legendäre Zwerg aus Salurn, ist eine der schillerndsten Figuren der Südtiroler Faschingszeit. Der Sage nach trank er lieber Wein als Wasser und antwortete auf die Frage, ob er noch ein Gläschen trinken wolle, immer mit „Perché no?“ („Warum nicht?“) – daher sein Name. Als Hofnarr und Hüter des großen Heidelberger Weinfasses wurde Perkeo zum Sinnbild für Lebenslust, Humor und närrische Freiheit.
Im Perkeo-Fasching lebt seine Figur weiter. Heute findet der Perkeo-Umzug alle zwei Jahre statt (im Gegensatz zum Egetmann-Umzug immer an geraden Jahren) und ist ein fester, lebendiger Bestandteil des Dorflebens. Er verbindet Jung und Alt, Deutsch und Italienisch, früher und heute, das Derbe und das Stilvolle auf ausgelassene Weise.
Terlan: „Pansele Pansele!“ – närrischer Unsinn im Dorf
Am Unsinnigen Donnerstag zieht der Terlaner Fasching unter dem traditionellen Ruf „Pansele Pansele!“ durch das Dorf. Bunte Festwägen, Musikgruppen, fantasievolle Masken und humorvolle Satire verwandeln die Straßen in eine Bühne des närrischen Treibens. Er ist laut, bunt, vielleicht weniger historisch verankert, dafür voller Lebensfreude – der Terlaner Fasching hat ordentlich „Wumms“ und bringt den Winter für einen Tag zum Tanzen.
Auch wenn das bunte Faschingstreiben im Südtiroler Süden wohl kaum alleiniger Anlass ist, einige Februartage im SEELEITEN zu verbringen, so stellen diese wildbunten Erlebnisse doch eine wunderbar kulturell wertvolle 😉 Ergänzung zu einer Auszeit voller Winterabenteuer, Wellnessmomente sowie Wein- und Kulinarikgenuss dar. Wir wünschen fröhliches Mitfeiern – und empfangen Sie nach jedem Faschingswirbel wieder mit wohltuender Entspannung und Erholung.





